Die Maske und das Klima

6.7.2020

 

Viele Umfragen wurden in den letzten Tagen zum Thema Maskenpflicht im öV gemacht – immer zeigte sich, dass eine klare Mehrheit das Maskenobligatorium will, denn es wird davon ausgegangen, dass die Masken erst viel bringen, wenn fast alle eine tragen – und trotzdem: Gestern trugen nur ca. 5-10 % der öV-Benutzer*innen eine Maske, heute aber beinahe 100% – der kleine, aber entscheidende Unterschied: seit heute ist es obligatorisch. Die Mehrheit kann also zufrieden sein, ihr Anliegen wurde erhört.

Beim Klima ist die Situation sehr ähnlich: praktisch niemand will, dass unser Klima innerhalb der nächsten Jahre kippt und so unvorstellbare Schäden in der Natur anrichtet, Zivilisationen destabilisiert oder gar zerstört: die Mehrheit will Klimaschutz, denn die meisten von uns haben noch eine Zukunft vor sich, die etwas länger dauern sollte – von Kindern ganz zu schweigen.

Leider sind wir beim Klima noch immer dort, wo wir gestern mit den Masken waren: Der Schutz des Klimas ist grösstenteils freiwillig, «Eigenverantwortung» ist das Zauberwort, das noch immer gebraucht wird, um die Untätigkeit vieler Entscheidungsträger*innen in Politik und Wirtschaft zu rechtfertigen. Entsprechend passiert vorerst nicht wirklich viel: die CO2-Emissionen gehen nicht annähernd genügend schnell zurück.

Was wir brauchen sind verbindliche Regeln: sobald es die Regel ist, dass CO2 nicht mehr ausgestossen wird, ausser es wird irgendwo wieder der Atmosphäre entnommen, wird die weitere Erhitzung des Klimas gestoppt. Es funktionierte bei den Masken nur mit Regeln, es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es beim Klima anders sein sollte. Deshalb konzentrieren wir uns bei «Eltern fürs Klima» auf politische Veränderungen und die Information über die Klimakrise. Auf Aufrufe zur persönlichen Veränderung verzichten wir bewusst: sie nützen nichts, liefern gar unseren Gegner*innen eine Ausrede, keinen ambitionierten Klimaschutz zu verfolgen “die Leute wollen es ja nicht…” und nicht zuletzt vergiften sie auch zwischenmenschliche Beziehungen: Soll ich jetzt meinen Nachbarn hassen, weil er ein zu grosses Auto fährt? Muss ich ihn verändern? Müsste ich nicht die Arbeitskollegin von der Fernreise abhalten? Weshalb verstehen sie es nicht? Die Menschen sind, wie sie sind – wir können daran nichts ändern. Eigenverantwortung funktioniert nicht für Dinge, die allen gehören. Deshalb: das Klima retten wir nur auf politischer Ebene – und nicht als Einzelkämpfer*innen.

Autor: Jonas Hostettler